Mittwoch, April 17, 2019

Familie Hammerschmidt

Die Etymologie des Namens “Hammerschmidt”

Hammerschmidt umschreibt auf Deutsch den Hammerschmied. Es kann daraus entnommen werden, dass die ersten Hammerschmidts nach ihrem Beruf benannt wurden. Der Beruf des Hammerschmiedes unterschied sich grundlegend von anderen Metallhandwerken. Hufschmiede, Wagner und Schmiede des Dorfes arbeiteten als Handwerksmeister in den Städten und Dörfern, in denen sie sich niedergelassen hatten. Anders war auch das Handwerk des Bergschmiedes, das aus der Herstellung und Überholung von Geräten und Werkzeugen der Bergwerke bestand.

Die Hammerschmiede waren eher für das Schmelzen und Verarbeiten von Roheisen verantwortlich. Ausgestattet mit ihren Hämmern und den wenigen Gütern, die sie besaßen und die sie in der Regel auf einem Handwagen und auf dem Rücken tragen mussten, hatten die Hammerschmiede kein Zuhause und keinen Gehöft. Sie führten einen wandernden Lebensstil. Sie verbrachten meist einen kurzen Zeitraum von einem Jahr mit Frauen und Kindern in den armseligen Arbeiterhütten, gehörig zu den Werkstätten, die sie beschäftigten.

Die Jenischen im Elsass
Jacques Hammerschmidt, von den elsässischen Behörden seiner Zeit Hammerschmitt geschrieben, war von Beruf Klempner. Nach der Sterbeurkunde seines totgeborenen Kindes am 16. Februar 1838 in Innenheim im Elsass, wurde Jacques Hammerschmidt 1813 geboren und stammte ursprünglich aus Mittelbexbach im rheinischen Bayern.
Jacques Hammerschmidt könnte ein Nachkomme einer reisenden Holzhauer-Familie sein, die von 1729 bis 1751 in den Kirchenbüchern mehrerer Gemeinden nordwestlich von Mittelbexbach beschrieben wurden (1729 Zerf, 1734 Büschfeld, 1732 Leisel, 1741 bei Oberlöstern, 1744/45 bei Mandern, 1748 bei Geisfeld, 1751 Lückner). Die Hammerschmidts werden dort als “vagi, vagorum, ziegorum” beschrieben.

Jacques Hammerschmidt war mit Barbara Marguerite Gargowitsch verheiratet, sie stammt ursprünglich aus Hlovovec / Freystadt, einer Stadt in der heutigen Slowakei.
Nach den im elsässischen Departement-Archiv gefundenen Tauf- und Sterbeurkunden hatte das Paar Hammerschmidt - Gargowitsch seinen Sitz in den Jahren 1838 und 1839 in Meyenheim, dann 1847 und 1853 in Plobsheim.

Die Hammerschmidt von Ichenhausen
Die Enkelkinder von Jacques Hammerschmidt (Paul, Balthasar, Emil, Vinzenz) verließen das Elsass und kamen in den letzten Jahren des Ersten Weltkriegs in Ichenhausen an.
Vinzenz Hammerschmidt kaufte einen Teil der Villa an der Rohrerstraße. Dieses Haus wurde für einen jüdischen Kaufmann gebaut. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kamen weitere Mitglieder der Gemeinschaft des Fahrenden Volks aus Frankreich in dieses Haus, um dort zu wohnen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die von vielen Händlerfamilien bewohnte Villa das Zentrum des Schrotthandels.

Der Nationalsozialismus
Der Zweite Weltkrieg forderte viele Opfer, viele Jenische wurden in die Konzentrationslager deportiert, einige überlebten. Alle Strategien waren gut, um zu vermeiden, in Vernichtungslager geschickt zu werden.

Lorenz Hammerschmidt, Sohn von Anton Hammerschmidt und Franziska Bachinger, geboren 1893 in Achern, einer der Nachkommen von Paul Hammerschmidt, konnte von einem Priester, der dem jenischen Volk half, eine Urkunde erhalten. Dieses Papier bescheinigte, dass Lorenz Hammerschmidt arischer Rasse war und dass er weder Zigeuner noch Zigeuner-Mischling war.

Lorenz Hammerschmidt war ein Wanderhändler, er war auch in Ichenhausen bekannt, da er Akkordeonist war und auf Festen spielte.
Seine erste Frau war Maria Theresia Kobras aus Mähren, sie starb im Zweiten Weltkrieg an den Folgen einer Magenperforation, bei einer Bombendrohung, kein Arzt war verfügbar.

Lorenz Hammerschmidt hatte sechs Kinder, zwei davon waren Lorenz Jr. , geboren 1919, und Bernhard, ein Messerschleifer von Beruf, geboren 1921. Lorenz Jr. und Bernhard wurden als politische Gefangene ins Konzentrationslager Dachau deportiert, sie wurden befreit und haben überlebt.

Die Wohnwagen von Behlingen
Lorenz Hammerschmidt hatte einen Neffen namens Vinzenz, der sehr bekannt war, er entwickelte und baute zusammen mit Herrn Schmied aus Behlingen die berühmten Wohnwagen von Behlingen für Reisende, Zirkusleute, etc. …

Das Unternehmen Behlingen wuchs und wurde von der Familie Schwarzkopf übernommen, die der größte Achterbahnhersteller seiner Zeit geworden ist.
Das Grab von Vinzenz Hammerschmidt ist das größte auf dem Friedhof von Ichenhausen.


Fam. Hammerschmidt  Fam. Hammerschmidt

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